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Die Frau, die aus der Kälte kam
![]() Ilona mit einem "Zemijean" (Motorradtaxifahrer) von Ilona Gaus / März 2009 Wenn ich die Augen schließe und an meine Reise denke, erinnere ich mich zuerst an den Anflug auf Tripolis (Libyen). Ein kleiner Flughafen in einer großen, weiten Ebene , wo ein flaches Häuschen mit quadratischem Garten an das andere grenzt – soweit das Auge reicht. Die Luft war samtweich wie bei uns im Mai, und schlagartig überkam mich eine große Freude. Ich reise! Nach langer Zeit wieder ganz andere Düfte, Farben, Laute. Im einzigen Aufenthaltsraum des Flughafens saßen alle zusammen. Wir kamen ins Gespräch: woher kommst du, wohin reist du…? Dann überflog ich den afrikanischen Kontinent in tiefster Nacht. Erreichte Cotonou (Benin) um 23.00Uhr und stand mitten in einer großen Bio-Sauna, ohne Ausgang. Warme, feuchte Luft umfing mich – man möchte augenblicklich jegliche schwere Bekleidung loswerden! Meinen Wintermantel trug ich noch unterm Arm, als ich auf die Straße trat. Im Haus meiner Schwester gibt’s Klimaanlage, wir sitzen unter dem rotierenden Ventilator und feiern meine Ankunft. In den nächsten Tagen lerne ich langsam die Welt meiner Schwester kennen: die deutsche Botschaft, die Schule der Kinder, den Supermarkt, den man zu Fuß erreicht. Ich bestaune die Vegetation, blühende Bouganville schmückt die Mauer vor dem Haus, Kokos- und Fächerpalmen stehen im Garten und viele unbekannte Bäume in der Nachbarschaft. Kleine grüne Geckos huschen an den Wänden entlang, lautlose Insektenfänger, flink und hübsch. Morgens erwache ich erstaunt vom Konzert unbekannter Vogelstimmen. Der nahe gelegene Flughafen stört kaum, da nicht so viel Betrieb herrscht. Von den großen asphaltierten Verbindungsstraßen (mit Namen) geht es in die Quartiers, auf kraterbedeckten Sandwegen (ohne Namen). Nachts ist Vorsicht geboten – so manches Moped kommt auf unbekanntem Gelände zu Fall! Ich kam in den ersten zwei Wochen in den Genuss des Hamatans, eines trockenen Wüstenwinds, der etwas Kühlung (von 35°C auf 30°C?) und noch viel mehr Staub bringt. Der Staub färbt den Himmel gelb und die Sonne versinkt abends blutorange im Staub. Danach war’s wieder feucht und heiß – Tag für Tag, Nacht für Nacht. Dieser Kontrast: ein europäischer Haushalt, getaktet wie eine Digitaluhr, und im Gegensatz dazu die zersetzende Wärme und Feuchtigkeit, ein ganzes Land mit einer anderen Zeitstruktur und Lebensweise. Nach einem ersten Herantasten an die fremde Welt begann ich Pläne zu machen: Kino? Gibt’s nicht mehr, wurde mir gesagt, die Leute schauen inzwischen die billigeren DVD’s in den Hinterhöfen zusammen an. Als Alternative bleibt das Centre Culturell Francais, das jede Woche ein paar relativ aktuelle Filme zeigt. Sie sind mit französischen Untertiteln, was für mich die Verständlichkeit deutlich erhöht hat. A propos VERSTÄNDIGUNG: Fremde(r) kommst du nach Benin, sprich französisch! (oder Fon oder Mina). Nach 14 Tagen traue ich mir die ersten Verhandlungen mit einem „Zemijean“ (Motorradtaxifahrer) zu, und ab jetzt kann ich mich selbstständig in der Stadt bewegen. Es bedarf jedoch noch der Fahrt nach Lomé (Togo), um endlich das Gefühl eines „Back-Packer-Reisenden“ zu haben (leider ohne Rucksack, den hatte ich im Taxi vergessen!!!). Meine Dusseligkeit war zum Heulen, brachte mich aber mit den einfachen Menschen in Kontakt: den Kassierern am Taxistand, die nach meinem Fahrer Ausschau hielten, der Angestellten im Seemannsheim, die mich zum Markt begleitete, damit ich mir die nötigsten Sachen besorgen konnte (z.B. eine Zahnbürste). Mir kam von allen Seiten Hilfsbereitschaft entgegen – und mein Rucksack ist sogar wieder aufgetaucht, mit allem drum und dran! Ich könnte noch stundenlang erzählen, soweit erst mal eine kleine Brise aus dem großen Sturm der Eindrücke. Wer ein paar Bilder sehen und noch mehr hören will, komme am Dienstag, den 31.3. um 20.00Uhr bei uns vorbei.
„Verdichtung“ Ich reise in eine andere Zeit in ein anderes Leben. Das Land ist grün, in allen Facetten grün, es ist heiß und feucht, seine Lagunen leuchten wie Lapislazuli. Ein Zemijean bringt mich in jeden Winkel. Wir essen Brotbaumfrucht und scharfe Soße unter blühenden Bouganvillen. Hab Dank für deine Hilfsbereitschaft. Ich reise |
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