Diakonische Basisgemeinschaft in Hamburg
Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit
Gastfreundschaft für Flüchtlinge
Leben in Gemeinschaft
Lieber unbekannter Pastor!

von Birke Kleinwächter / Juni 2009

Wenn bei Brot & Rosen die Haustürklingel läutet, ist es eine Selbstverständlichkeit hinzugehen und die Tür zu öffnen. Vermutlich kriegen wir nicht nur mehr, sondern auch wesentlich vielfältigeren Besuch als die meisten anderen Menschen. Bei all unserer Offenheit gibt es aber auch Situationen, die uns vor den Kopf stoßen und gelegentlich auch überfordern. Auf eine solche Situation bezieht sich der nachfolgende Brief:

Neulich haben Sie einen jungen Mann, Ali mit Namen, zu uns geschickt. Er stand vor unserer Tür mit nichts als einem Zettel mit unserer Adresse und einem Ticket für den Bus, mit dem er – praktischerweise ohne Umsteigen – unser Haus erreichen konnte. Ihm gegeben von einem Pastor, an dessen Namen und Gemeinde er sich nicht gut erinnern konnte.

Ali war voller Hoffnung, bleiben zu dürfen, und völlig erschöpft. Es war Freitagnachmittag, da hat wohl niemand mehr „auf“ außer uns.

Ali legte sich bald hin und schlief und schlief. Am nächsten Vormittag bedankte er sich bei uns und zog los, um einen Freund um ein weiteres Quartier zu bitten. Er blieb so kurz, dass einige von uns ihn überhaupt nicht zu Gesicht bekamen.

Lieber unbekannter Pastor, was wäre gewesen, wenn niemand von uns da gewesen wäre? Oder nur einer der bei uns lebenden Flüchtlinge? Was wäre gewesen, wenn Ali einen Tag vorher bei uns angekommen wäre, als das Haus wegen eines Gruppenbesuchs so voll war, dass Leute zu dritt in Zweibettzimmern und sogar im benachbarten Jugendkeller nächtigten?

Lieber unbekannter Pastor, wir hätten es uns gewünscht, wenn Sie sich vergewissert hätten, dass Ali wirklich jemanden antrifft, wenn er an unserer Haustür klingelt. Wir hätten es uns gewünscht, vorher gefragt worden zu sein.

Sie sind nicht der Erste, der genau so gehandelt hat. Darum haben schon andere wie Ali plötzlich vor unserer Tür gestanden. Ihm konnten wir helfen, und es war eine leichte und sehr dankbare Aufgabe, ihm Gastfreundschaft zu gewähren.

Aber es hat auch die An-der-Tür-Klingler gegeben, die wir abweisen mussten. Da haben wir die undankbare Aufgabe übertragen bekommen von jemanden, der sich uns nie bekannt machte.

Gastfreundschaft zu üben, ist unser Anliegen. In den vielen Jahren, die wir dies bei Brot & Rosen tun, haben wir unter anderem gelernt, wie Hilfe gelingen kann und was sie erschwert. So sind Vorgespräche mit potentiellen MitbewohnerInnen ein fester Bestandteil unserer Arbeit.

Lieber unbekannter Pastor, Sie werden Ihre Gründe gehabt haben, Ali einfach loszuschicken. Berücksichtigen Sie bitte dennoch, zukünftig immer Brot & Rosen vorher zu fragen und den Menschen nicht ohne unsere Einwilligung loszuschicken. Wenn Sie dies freundlicherweise auch Ihren Kolleginnen und Kollegen sagen könnten, wären wir Ihnen dankbar!

Für Brot & Rosen, Birke Kleinwächter



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